Welche Drumsticks passen zu dir? Ein Schlagzeuger mit 48 Jahren Erfahrung räumt mit Mythen auf

Welche Drumsticks passen zu dir? Ein Schlagzeuger mit 48 Jahren Erfahrung räumt mit Mythen auf

Ich spiele seit 48 Jahren Schlagzeug – angefangen mit professionellem Unterricht an der Bergischen Musikschule, heute aktiv in einer Rock- und Pop-Coverband. In dieser Zeit habe ich unzählige Drumsticks ausprobiert und dabei gemerkt: Rund um Drumsticks kursieren erstaunlich viele Halbwahrheiten und Marketing-Mythen.

In diesem Artikel erkläre ich dir worauf es wirklich ankommt – aus der Perspektive eines aktiven Schlagzeugers der regelmäßig auf der Bühne steht. Kein Theorie-Wissen, keine Werbetexte.

Hickory oder Maple – das ist der wichtigste Unterschied

Die meisten Drumsticks werden entweder aus Hickory oder Maple gefertigt. Das ist die erste und wichtigste Entscheidung.

Hickory ist das klassische Material. Hart, robust und langlebig. Der Nachteil: Hickory überträgt mehr Vibrationen auf die Hände – das kann bei langen Proben oder Gigs ermüdend sein. Und wer zu harte Sticks auf zu dünnen Becken spielt, zerstört die Becken regelrecht. Das ist kein langsames Abnutzen – das sind Risse und Brüche. Wer also auf empfindlicheren Becken spielt sollte das im Hinterkopf behalten.

Ich selbst habe früher für Heavy Metal Paiste Rude Becken gespielt – die sind extra dick und robust gebaut und halten auch härteste Schläge mit Hickory problemlos aus. Für normalen Rock und Pop empfehle ich aber trotzdem Maple.

Maple ist leichter und weicher. Nach fast fünf Jahrzehnten am Schlagzeug weiß ich wie wichtig es ist, die Gelenke zu schonen. Maple-Sticks dämpfen Vibrationen besser, sind angenehmer in der Hand und deutlich schonender für deine Becken. Der einzige Nachteil: Sie brechen schneller als Hickory.

Meine klare Empfehlung für Rock und Pop: Maple.


Was bedeutet eigentlich 5A und 5B?

Hier räumen wir gleich mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf.

Die Bezeichnungen 5A und 5B kommen ursprünglich aus der Orchestermusik:

  • A steht für Orchestra – gedacht für leichteres, präziseres Spiel
  • B steht für Band – also Blaskapelle, wo mehr Volumen und Durchsetzungskraft gefragt war

Die Zahl beschreibt den Durchmesser des Sticks. 5B ist dabei etwas dicker als 5A – aber das ergibt sich aus der Größenbezeichnung, nicht aus der Tip-Form.

Ich bevorzuge 5B mit einem Durchmesser von 14 bis 15 mm – der Stick liegt einfach besser in der Hand und gibt mir mehr Kontrolle. Aber das ist reine Geschmackssache. Du musst das selbst ausprobieren – jede Hand ist anders.

Der "Anfängerstick" Mythos

Immer wieder liest man dass 5A Sticks "für Anfänger" seien und 5B "für Fortgeschrittene". Das ist meiner Meinung nach Unsinn.

Ja, die Tip-Form beeinflusst theoretisch den Klang auf den Becken. Aber mal ehrlich: Wer spielt live bei einem Cover-Rock Gig so präzise dass er den Unterschied zwischen verschiedenen Tip-Formen raushört? Im Proberaum mit einer lauten Band? Auf der Bühne mit PA-Anlage und Monitorboxen?

Nach 48 Jahren Erfahrung sage ich dir: Spiel was sich gut in deiner Hand anfühlt. Der Rest ist Marketing.

Die ehrliche Kostenrechnung – das verschweigen die meisten

Hier kommt der Teil den kaum jemand offen anspricht. Als aktiver Schlagzeuger in einer Coverband breche ich pro Probe oder Auftritt 2 bis 3 Sticks. Das ist völlig normal wenn man mit Vollgas spielt.

Rechnen wir das mal durch:

Stick Preis pro Stick 3 Sticks pro Probe 4 Proben pro Monat
Vic Firth SD1 General ~9€ ~27€ ~108€
Millennium 5B Maple ~2,20€ ~6,60€ ~26€
Music Store 5B Maple ~2,90€ ~8,70€ ~35€

 

Das ist ein Unterschied von über 80€ pro Monat – fast 1.000€ pro Jahr.

Dazu kommt: Ich kaufe immer mindestens 20 Paar auf einmal – dadurch gibt es bei Thomann und Music Store zusätzlich Mengenrabatt, was den Preisvorteil nochmal vergrößert.

Früher habe ich selbst die Vic Firth SD1 General gespielt und war damit sehr zufrieden. Die Geradheit, die Balance, das Spielgefühl – das ist auf einem anderen Niveau, das will ich nicht verschweigen. Man merkt den Qualitätsunterschied beim Spielen deutlich. Aber irgendwann habe ich die Kostenrechnung aufgemacht – und bin zu dem Schluss gekommen dass die Hausmarken von Thomann und Music Store für aktive Schlagzeuger die weitaus klügere Wahl sind. Das gesparte Geld investiere ich lieber in gute Becken.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Geradheit ist das wichtigste Qualitätsmerkmal. Ein krummer Stick spielt sich schlecht und verfälscht dein Gefühl für Balance und Kontrolle. Günstigere Sticks haben hier öfter Schwächen – das merkt man. Trotzdem sind die Hausmarken von Thomann und Music Store in meiner Erfahrung erstaunlich gerade für den Preis.

Oberfläche – manche Sticks sind lackiert und werden mit der Zeit rutschig, besonders wenn die Hände schwitzen. Unlackierte oder leicht aufgeraute Sticks bieten mehr Grip und sind auf der Bühne deutlich sicherer.

Ausprobieren – Es gibt keinen Ersatz dafür. Kauf dir zwei oder drei verschiedene Modelle und spiel damit. Der Unterschied fällt sofort auf. Was gut in deiner Hand liegt ist am Ende wichtiger als jede Theorie.

Meine persönlichen Empfehlungen

Für Einsteiger zum Kennenlernen – Vic Firth 5A Hickory

Ein bewährter Klassiker. Nicht weil er ein "Anfängerstick" ist – sondern weil er günstig, robust und überall erhältlich ist. Gut um verschiedene Materialien kennenzulernen.

Für den Profi-Sound – Vic Firth SD1 General

Wer das beste Spielgefühl sucht und Qualität über Kosten stellt. Perfekte Geradheit, exzellente Balance, seit Jahrzehnten bewährt. Mein persönlicher Favorit wenn der Preis keine Rolle spielt.

Mein persönlicher Alltags-Favorit – Millennium 5B Maple

Das ist mein Stock für Probe und Bühne. Leicht, schnell, beckenfreundlich und zu einem unschlagbaren Preis. Bei Abnahme von 20 Paar gibt es bei Thomann zusätzlich Mengenrabatt.

Der günstige Geheimtipp – Music Store 5B Maple

Praktisch identisch mit dem Millennium. Für aktive Schlagzeuger die viel spielen und regelmäßig nachkaufen müssen die perfekte Wahl. Ebenfalls Mengenrabatt möglich.

Für Metal & Hard Rock – ProMark TX5BW Hickory

Wer härter spielt braucht robustere Sticks – und dazu passende Becken die das aushalten. Der ProMark 5B ist präzise und hält intensivstes Spielen lange durch.

Fazit

Lass dich nicht von Marketing-Begriffen wie "Anfängerstick" oder langen Debatten über Tip-Formen verwirren. Was zählt ist wie der Stick in deiner Hand liegt – das Gewicht, der Durchmesser, die Oberfläche.

Mein persönliches Fazit nach 48 Jahren: Qualität ist spürbar – aber für aktive Schlagzeuger die regelmäßig Sticks brechen sind die Hausmarken von Thomann und Music Store die mit Abstand klügste Entscheidung. 🥁

Natürlich gibt es noch viele andere sehr gute Sticks, aber die habe ich nicht ausprobiert und kann daher zu denen nicht viel sagen. Auch hier gilt - ausprobieren.

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